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Ökobilanz: Handtrockner vs. Handtücher

25. Juli 2018
Vergleich der Umweltfreundlichkeit von Händetrocknern

Im heimischen Bad sorgen flauschige Handtücher für trockene Hände. In öffentlichen Einrichtungen werden dafür elektrische Handtrockner, Stoffhandtuchspender oder Papiertücher genutzt. Neben dem häufigen Vergleich der Hygiene lässt sich ein zusätzlicher Faktor betrachten: Die Ökobilanz. Wie sieht es also mit der Umweltverträglichkeit und den Energie- und Ressourcenkosten aus? In diesem Beitrag versuchen wir dies näher zu beleuchten.

Welches System ist umweltfreundlicher?

Im Hygienecheck der Handtrocknungsmethoden wurde festgestellt, welches Trocknungssystem sauberer ist und ob die Drucklufttrockner und Heizgebläse Bakterienschleudern sind. In diesem Beitrag wird ein Vergleich der Umweltverträglichkeit gezogen. Auf den ersten Blick scheint dies einfach, allerdings müssen für einen fairen Vergleich viele Faktoren berücksichtigt werden.

Die Ökobilanz von Papierspendern: Zellstoff

Bei dem Papier für das Händetrocknen muss unterschieden werden: Handelt es sich um Frischfaserpapier oder Recyclingpapier? Frischfaserpapier wird aus dem Zellstoff aus Holz gewonnen und in Deutschland zu 80 Prozent importiert. Das Material stammt daher häufig aus Urwaldgebieten. Für eine bessere Ökobilanz sollte daher auf Papierhandtücher aus 100 Prozent Recyclingpapier für den Einsatz auf Toiletten zurückgegriffen werden. Übrigens: In Deutschland liegt der Einsatz von Altpapier bei 72 Prozent. Die Papierfasern können dabei bis zu 7-mal wiederverwendet werden, wodurch sich der Transportweg zudem erheblich verkürzt. Der reine Zellstoffverbrauch ist daher der wichtigste Faktor bei der Ökobilanz der Papiertücher, da durch ihn Regenwaldgebiete aber auch nordische Urwälder durch den industriellen Holzeinschlag gefährdet werden.

Neben der Papierart ist auch der richtige Behälter wichtig. Es sollten nicht zu viele Blätter auf einmal ausgegeben werden. Die Kontrolle der Ausgabe trägt daher enorm der Ökobilanz zu und den anfallenden Kosten bei. Werden viele Blätter ausgegeben treibt es die Bilanz nach unten. Neue Geräte geben lediglich ein Blatt aus. Hier steht Ökologie der Hygiene gegenüber. In der Regel sollte daher mit zwei Blättern pro Trocknungsvorgang gerechnet werden.

Hinweis: Hilfreich für eine gute Ökobilanz von Papierspendern ist das Umweltzeichen „Blauer Engel“. Dieses gibt eine erste Orientierung über die Umweltverträglichkeit. Allerdings sind die Folgekosten und der anfallende Müll der Papierspender dabei nicht berücksichtigt.

Baumwollanbau und Wäsche bei Stoffhandtuchspendern

Mehrweg-Handtuchrollen für die Stoffhandtuchspender ermöglichen ein hygienisches Trocknen der Hände. Die Rollen lassen sich nach einer Wäsche, die für die reale Ökobilanz natürlich mitbeachtet werden muss, wiederverwenden. Allerdings gibt es bei dem verwendeten Material einen großen Punkt in Sachen Umweltfreundlichkeit. So steckt hinter einer einzigen Rolle aus Baumwolle ein Herstellungsprozess, der es in sich hat. Der Anbau der Baumwolle ist nämlich sehr empfindlich und braucht Wasser in rauen Mengen. Für ein einziges T-Shirt werden beispielsweise bis zu 2000 Liter Wasser gebraucht. Zudem wird sie in trockenen Regionen angebaut, bei denen zwei Drittel der Fläche künstlich bewässert werden, da herkömmlicher Regen ironischerweise die Baumwollernte vernichten könnte. Dazu kommt die Anfälligkeit gegen Schädlinge, weswegen viele Pflanzengifte eingesetzt werden, wie bei keinem anderen landwirtschaftlichen Anbauprodukt. Folgen der intensiven Baumwolllandwirtschaft sind versalzene Böden und sinkende Grundwasserspiegel – Beispiel: Aralsee, der zu 70 Prozent ausgetrocknet ist.

Trotz des weniger umweltfreundlichen Herstellungsprozesses sind Handtuchrollen aus Baumwolle in öffentlichen Toiletten sinnvoll. Im Vergleich zu Papierspendern mit Frischfaser oder Papier zur Hälfte aus Recyclingpapier haben sie eine geringere Umweltauswirkung. Dies untersuchte das Öko-Institut Freiburg im Jahr 2006. Neben dem hygienischen Vorteil der Baumwollrollen muss wie gesagt jedoch für die komplette Umweltbilanz die Kosten für die anfallenden Wäschen beachtet werden. Durch die vielen Vorteile der Baumwolle haben sich schließlich auch die klassischen Handtücher im heimischen Bad durchgesetzt.

Elektrische Geräte: Strom + Motor = trockene Hände

Wärmeluftgebläse und moderne Hochdruck-Händetrockner schneiden bei der Hygiene etwas schlechter ab. So galten sie lange Zeit als Bakterienschleuder. Doch mit Verbesserungen, wie Luftfiltern und berührungsloser Betriebsweise, finden sich die elektrischen Trockner auf vielen öffentlichen Toiletten.

Bei den elektrischen Geräten, vor allem den Hochgeschwindigkeitstrocknern ist die CO2-Bilanz allerdings gut im Vergleich zu Papierspendern und Handtuchrollen, da nur mit wenig Strom und einem Motor die Hände getrocknet werden. Zu diesem Ergebnis kam die US-Ökobilanzstudie 2011 des Materiallabors des MITs. Mit einer vergleichbaren Trocknungszeit der Hochdruckgeräte von etwa zehn Sekunden im Vergleich zu Papiertüchern fallen hier neben den Anschaffungskosten nur vernachlässigbare Betriebskosten für den Strom an. Aufgrund dieser Vorteile sind die elektrischen Geräte zu einer alternativen Trocknungsmethode der Hände geworden.

Fazit Ökobilanz: Klare Reihenfolge der Handtrocknungssysteme schwierig

Trotz vieler Versuche und Studien ist eine klare Rangfolge der Ökobilanz von Händetrockner-Systemen schwer. Daher ist auch das Umweltbundesamt über offizielle Bewertungen der Ökobilanz zurückhaltend. Die Hochgeschwindigkeitstrockner punkten jedoch mit einem geringen Stromverbrauch – zusätzliche Ressourcen wie Papier und Baumwolle entfallen hier. Als Orientierung empfiehlt sich, auf das Zertifikat „Blauer Engel“ zu achten. Bei längerer Betriebsweise haben sicherlich die elektrischen Trockner die Nase etwas vorne bei der Ökobilanz. Dafür punkten die Papiertücher und Handtuchrollen-Spender mit einem Tick mehr Hygiene.

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